Ein Raum ist ins Halb­dunkel getaucht. In sein­er Mitte liegt auf ein­er kar­gen Pritsche ein Mäd-
chen, das seinen Kopf auf einem Schaum­stof­fkissen hek­tisch hin- und her bewegt. Die Gebär-
de mutet autis­tisch an; das Mäd­chen wirkt emo­tion­al ver­schlossen, scheint gefan­gen in eine eigene Welt…
Das Geschehen wird von ein­er Kam­era aufgeze­ich­net, die auf den Kopf des Mäd­chens gerichtet ist.

Die Szene ist umgeben von drei großen Pro­jek­tion­slein­wän­den, die im Hal­bkreis um die Prit-
sche von der Decke her­ab­hän­gen. Auf ihnen sind in Nahauf­nah­men Radarschirme zu sehen, die sich langsam um ihre eigene Achse drehen. Im Ver­gle­ich zu dem Mäd­chen wirken sie riesig. Zur Drehbe­we­gung ver­meintlich syn­chron, ist ein Tak­tschlag zu hören. Schließlich wird eine Melodie einge­spielt. Im Duett mit Yous­sou N’Dour singt Neneh Cher­ry:

…You don’t see me from a dis­tance, don’t look at my smile/ And think that I don’t know, what’s under and behind me/ I don’t want you to look at me and think that what‘s with­in you is in me (…) Seem­ing­ly con­nect­ed, not alone in the world/ Not sep­a­rat­ed from birth/ We go past and remain/ because every­one rec­og­nizes them­selves in it…“ *

Mit der Zeit wird die Musik überblendet in eine stille Walz­er-Melodie. Durch sie ver­mit­telt sich ein Gefühl von Aufge­hoben­sein, eine Art Empfind­ung von Glück. Das Rotieren der Radarschirme scheint dabei immer mehr einem kreisenden Tanz gle­ich zu kom­men, was schließlich auch der rhyth­mis­chen Kopf­be­we­gung des Mäd­chens etwas Har­monis­ches ver­lei­ht.
Während dessen wird die Kam­er­aaufze­ich­nung der Kopf­be­we­gung auf einen kleinen Mon­i­tor über­tra­gen. Er hängt am Ein­gang der Instal­la­tion an Stahl­seilen von der Decke herab. Neben dem Mon­i­tor, der das Gesicht des Mäd­chens in extremer Nahauf­nahme zeigt, bietet sich dem Betra­chter der Blick in den Raum. Doch eine Bege­hung der Instal­la­tion und somit eine Kon­tak­tauf­nahme zu dem Mäd­chen bleibt ihm durch eine Absper­rung, die die geplante Arbeit umgibt, ver­wehrt. Die Sit­u­a­tion stellt sich als drei­di­men­sion­ales Bild dar, das ein­er­seits ein Mit-sich-alleine-Sein als zu schützende Pri­vatheit for­muliert, ander­er­seits die Instru­mente des Schützens als Werkzeuge ver­an­schaulicht, die Pri­vates offen leg­en. Gren­ze und Gegen­satz zwis­chen öffentlich und pri­vat wirken aufge­hoben, doch anhand der nur medi­al über­mit­tel­ten Nähe zu dem Mäd­chen, bleibt dessen Gebärde dem Betra­chter nicht ergründ­bar. Ein­schät-
zung und Deu­tung der dem Anschein nach Abnor­mität des Ver­hal­tens bleibt ihm selb­st über-
lassen. So zeigt sich Per­sön­lich­es öffentlich­er Wer­tung aus­ge­set­zt und ver­mit­telt sich in Folge gedanklich als immer weniger selb­st­bes­timm­bar…

 

* „ …Du siehst mich von Weit­em nicht, siehst mein Lächeln nicht / Glaube nur nicht, ich wüsste nicht, was hin­ter mir liegt / Ich will nicht, dass du mich ansiehst und denkst, das was in dir ist, sei auch in mir (…) Schein­bar ver­bun­den, nicht allein auf der Welt / Nicht von Geburt an getrennt/ Gehen wir vor­bei und bleiben / weil sich jed­er wieder zu erken­nen glaubt…“