„…You have to live out of your own imagination of things, as if there had been no Serge Eisenstein, nor John Ford, nor Jean Renoir or anybody else…“

Orson Welles

 

Das Projekt Facing Fame verteilt sich auf zwei Räume, die thematisch zunächst nichts zu verbinden scheint. Vermeintlich sind es verschiedene Ausstellungen, zwei Einladungskarten werden versandt, zwei Eröffnungsreden gehalten.

Der erste Raum vermittelt sich als museale Inszenierung einer Ausstellung über Leben und Werk des US-Regisseurs und Schauspielers Orson Welles. Neben Set-Entwürfen, Requisiten, Kostümen aber auch privaten Aufzeichnungen und Bildern stehen im Mittelpunkt sechs großformatige S/W-Filmstills. Sie zeigen Motive aus Filmen von oder mit Welles: Touch of EvilCitizen Kane oder Der dritte Mann.
Auf Monitoren sind Schlüsselszenen dieser Filme zu sehen: So stellt z.B. die gezeigte Ein-
gangssequenz von Citizen Kane die Leitfrage dieses Films: Welche Persönlichkeit verbarg sich hinter dem Protagonisten, dem Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane? Welles schildert in seinem Debutwerk die Zerstörung kindlicher Unbefangenheit und den Verlust seelischer Identität als Tribut für Einfluss und Reichtum…

Der zweite Raum des Projekts scheint die Retrospektive eines bildenden Künstlers der Gegenwart zu sein. Eine Erfolgskarriere: Fotos zeigen den Künstler im Kreis bekannter Kuratoren, Mäzene und Politiker. In Videoaufzeichnungen nehmen Galeristen Stellung zu seinem Werk, dessen Bedeutung sich auch anhand von Arbeiten populärer Künstlerkollegen vermittelt, die im Raum ausgestellt sind: bekannte Gegenwartspositionen, die vermeintlich Bezug auf das Werk des ausgestellten Künstlers nehmen. Doch eine Arbeit von ihm selbst ist im Raum nicht zu entdecken.
Hingegen findet sich in der Mitte des Raums das Modell einer kleinen Wohnung, dahinter sind auf sechs Fotografien einzelne Bereiche der Räumlichkeiten abgebildet. Die Bildausschnitte und abgelichteten Gegenstände erinnern an die Motive der S/W-Filmstills im ersten Raum des Projekts, der Orson Welles Ausstellung. Nur fehlt auf den Motiven ein Darsteller. Dieser findet sich wenig entfernt auf den Covern bekannter Kunstzeitschriften, bei deren Betrachtung sich ebenfalls Assoziationen zum ersten Raum einstellen: Augenscheinlich weist der Künstler äußerlich verblüffende Ähnlichkeit auf mit der historischen Filmikone Welles…

Auf einem Monitor neben dem Modell spricht ein Galerist über eine frühe Arbeit des Künstlers, in der dieser sich als Filmlegende der vierziger Jahre inszenierte: Die Privatwohnung des damals noch unbekannten Künstlers diente dabei als Kulisse für von ihm fotografisch fest-
gehaltene Momente in erträumtem Rampenlicht. Im Interview stellt sich das in Zurückge-
zogenheit entwickelte Erstlingswerk aufgrund der Anspielung an etablierte Prominenz als kommerziell erfolgversprechend dar.
Durch die Aussage des Galeristen wird die Authentizität der Exponate in der Welles-Ausstellung im ersten Raum indes immer fragwürdiger. Mehr und mehr vermittelt sich die Inszenierung in der vermeintlich historischen Ausstellung als Arbeit des Künstlers: Original-Sequenzen und -Stills aus Filmklassikern erscheinen nunmehr nachinszeniert, authentische Requisiten werden mutmaßlich zu Gebrauchsgegenständen aus dem Besitz des Kunst-Debütanten. Die zweifelhafte Echtheit suggeriert dabei im zweiten Raum auch immer mehr einen Wahrnehmungswandel hinsichtlich der Arbeiten der anderen Künstler. Die Popularität ihrer Positionen wird entschlüsselbar…

Das Projekt Facing Fame versucht, Mechanismen des Etablierens und mangelnde Bereit-
schaft, sie zu hinterfragen, aufzudecken. Bezugnehmend auf die Biografie von Pressezar Randolph Hearst inszenierte Orson Welles seinen Film Citizen Kane als Kritik an der Mei-
nungsmanipulation in den USA der 1940-er Jahre. Was Welles reklamierte, zeigt sich im Projekt als eine Strategie des gegenwärtigen Kunstmarkts: Vor dem Hintergrund kommerzieller Interessen stellt sich die Essenz künstlerischer Arbeit, basierend auf originärer Entwicklung, als Anachronismus dar. Die Bedeutung eines Werks scheint abhängig von seinem Marktwert, künstlerische Arbeit vermittelt sich als Resultat banaler Zufälligkeit oder Replik etablierter Kunstströmungen. Dabei schildern im Projekt kalkulierte Wert- und Realitätsverschiebungen die Situation als Farce: Mit Bezug auf die Debutausstellung seines Künstlers fährt der Galerist auf dem Monitor im Interview fort: Die Perfektion mit der Werk und Karriere der Filmikone von seinem Künstler dargestellt worden sei, habe Anlass zur Irritation gegeben: Immer wieder sei der Eindruck entstanden, berichtet der Galerist, die vormalige Hollywoodgröße habe es tatsächlich gegeben…
Inmitten der Groteske erweist sich der Künstler als identitätslos: Beim Verlassen des zweiten Raums ist ein Magazinbeitrag mit einer Abbildung zu sehen: Dreharbeiten an einem Set, offenkundig eine Motivanleihe aus Citizen Kane, mittendrin der Künstler. Unter dem Bild steht zu lesen: „Who was this man behind the icon of the forties?“ Neben dem Bild findet sich ein Interview mit dem Künstler: Er äußert: „You have to live out of your own imagination of things, as if there had been no Serge Eisenstein, nor John Ford, nor Jean Renoir or anybody else…“