Was bleibt von einer Spezies, wenn nur noch ihre Geschichten existieren?

Human Diary ist eine inter­diszi­plinäre Raumin­stal­lation über Empathie, künstliche Intel­ligenz und die Frage, welche Formen von Erfahrung und Ausdruck menschliche Existenz prägen. Die Arbeit entwirft die Vision einer möglichen Zukunft, in der die Menschheit verschwunden ist und ihre Hinter­lassen­schaften von einer nicht-menschlichen Intel­ligenz unter­sucht werden.

Ausgangspunkt ist das fiktive Tagebuch eines Kindes, das die Instal­lation als eines der letzten Zeugnisse einer vergan­genen Zivil­i­sation und ein fragmen­tarisches Archiv menschlicher Erfahrungen darstellt. Die Aufze­ich­nungen erzählen von einer krisen­geprägten Zeit, in der ökolo­gische, soziale und politische Spannungen das Leben bestimmen: unserer Gegenwart. In der subjek­tiven Wahrnehmung des Kindes vermischen sich dabei persön­liche Erfahrungen mit globalen Ereignissen und werden zum Spiegel einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt.

Die Instal­lation versteht sich als speku­lative Archäologie: Filmse­quenzen, Fotografien, Objekte und dokumen­tarisch wirkende Artefakte bilden ein immer­sives Archiv, in dem die Spuren einer verschwun­denen Spezies unter­sucht werden. Die Besucherinnen und Besucher betreten einen Raum zwischen Ausstellung, Film und Zukun­ftsszenario – einen Ort, an dem die Frage entsteht, wie eine fremde Intel­ligenz unsere Kultur, unsere Emotionen und unsere Beziehungen inter­pretieren würde.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die größte Leiden­schaft des Kindes: seine Liebe zum Tanz. In filmischen Bildern festge­halten, werden Chore­ografie und Bewegung des Kindes dabei zu einem Schlüs­selbild für jene Fähigkeiten, die menschliches Leben über reine Existenz hinaus definieren: Empathie, Kreativität und die Fähigkeit, emotionale Verbindung herzustellen. Der Tanz erscheint als eine Form von Wissen, die nicht allein sprachlich oder begrif­flich erfassbar ist und vermittelt sich als körper­liche Erinnerung an Gemein­schaft und Zugehörigkeit.

Die erhal­tenen Filmfrag­mente, Bilder und Artefakte werden im Verlauf der Instal­lation zu Unter­suchung­sob­jekten, betra­chtet und analysiert von künstlichen Intel­li­genzen: Tagebuch, Zeich­nungen und die aufgeze­ichnete Tanzchore­ografie vermitteln sich dabei als rätsel­hafte Zeugnisse einer Spezies, deren emotionale Welt sie zu verstehen versuchen. 

Im Prozess dieser Annäherung beginnen die Systeme, Zusam­men­hänge und Muster menschlichen Verhaltens zu erkennen. Doch je näher sie den Spuren kommen und versuchen die darin eingeschriebenen Emotionen zu rekon­stru­ieren, desto mehr stellt sich die Frage, ob Erinnerung, Kreativität und Empathie überhaupt repro­duzierbar sind – oder ob sie sich erst im Erleben vollziehen.

Human Diary erzählt nicht vom Ende der Menschheit, sondern unter­sucht, was möglicher­weise über den Menschen hinaus Bestand haben könnte. Die Arbeit verbindet speku­lative Zukun­fts­forschung mit einer poetischen Reflexion über Technologie, Verlet­zlichkeit und die Fähigkeit, Bedeutung zu erzeugen.

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